Kommentar zur Aktie Amazon

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Am 13.08.17
von armericanoo
zu Amazon

Der "Online-Gigant" schickt sich an, einen weiteren Milliardenmarkt zu erobern

Der Online-Versandhändler Amazon aus dem US-amerikanischen Seattle sorgte jüngst mit der 13,7 Mrd. US-$ schweren Übernahme der Biosupermarktkette Whole Foods weltweit für Aufsehen. Keine Frage: Amazon.com gedenkt im Handel weiter zu wachsen und seinen Einfluss zu vergrößern – dies hievte die Amazon-Aktie zuletzt über die psychologisch wichtige Marke von 1.000 US-$.

Bereits heute dominiert Amazon.com den Einzelhandel im Internet. Allein in den USA zeigt sich das weltgrößte Internet-Kaufhaus inzwischen für 34 % der gesamten Onlineverkäufe verantwortlich. Es wird erwartet, dass sich dieser Prozentsatz bis 2021 noch auf 50 % hochschrauben wird - schenkt man den Marktforschern und Analysten aus dem Hause Needham glauben.

Doch nicht nur kleine Einzelhändler müssen den Seatteler Online-Giganten fürchten, nimmt dieser doch seit geraumer Zeit auch zunehmend den Großhandel ins Visier. Insbesondere geht ea dabei um den sogenannten Business-to-Business (B2B) Markt - also den Handel mit Wiederverkäufern. Immerhin hat sich Amazon schon 2005 mit der Übernahme von SmallParts.com Zutritt zu diesem wachstumsstarken Markt verschafft.

Aus diesem Zukauf ging im Jahr 2012 der Service "Amazon Supply" hervor, um die Kundschaft der Industrie mit Produkten zu beliefern. Im Jahr 2015 folgte der nächste Schritt: Amazon.com rief seine Sparte "Amazon Business" ins Leben, welche den gesamten Großhandel beliefern soll. Inzwischen hat der "hauseigene" Service bereits die 1-Million-Kunden-Grenze sowie die Milliardenumsatzschwelle überschritten.

Zu Anfang war "Amazon Business" nur in den USA vertreten, mittlerweile ist der B2B-Ableger aber auch in Europa (Deutschland, England) und Indien sehr erfolgreich aktiv. Diese Expansion hat sich allemal ausgezahlt, denn inzwischen nutzen "Amazon Business" mehr als eine Million Großhandelskunden - darunter Krankenhäuser, öffentliche Schulen und klassische Firmen, welche auf der Amazon-Plattform einkaufen. Darunter tummeln sich auch 85.000 Einzelhändler, die ihre Warenpalette dem Geschäftskunden zum Erwerb anbieten. Damit hat sich jene Zahl gegenüber dem Vorjahr (30.000) nahezu verdreifacht. Nicht zuletzt deswegen hat das Handelsvolumen auf "Amazon Business" inzwischen auch die Umsatzmarke von 1 Mrd. US-$ überschritten.

Doch diese überaus positive Entwicklung dürfte erst der Anfang von etwas viel Größerem sein: Glaubt man den Prognosen der Marktauguren von Forrester Research, so dürften allein in den USA im Jahr 2021 1,2 Billionen US-$ im E-Commerce-Großhandel (B2B) umgesetzt werden. Während dies für Amazon-Anleger höchst erfreuliche Zukunftsaussichten sind, so dürften im Gegenzug auf die börsennotierten Wettbewerber wie WW Grainger oder Fastenal Company harte Zeiten zukommen. Die Aktienkurse der beiden großen B2B-Konkurrenten haben sich in den vergangenen fünf Jahren ohnehin bloß noch seitwärts bewegt. Die Analysten verweisen in diesem Zusammenhang auf den intensiveren Wettbewerb und den massiven Verlust von Marktanteilen zugunsten von Amazon.com.

Überdies rechnen die Forrester-Analysten damit, das im Zuge der Digitalisierung bis 2020 rund 1 Million B2B-Vertriebsmitarbeiter ihren Job an Online-Selbstbedienungsläden wie "Amazon Business" verlieren werden. Lange profitierten die Großhändler von einem gut vernetzten Außendienst, um die Bedürfnisse ihrer Großkunden zu erkennen. Damit verfügten die Großhändler über gewisse Vorteile am Markt gegenüber der noch jungen, aufstrebenden Online-Konkurrenz. Doch durch den Siegeszug von "Big Data" (Analyse großer Datenmengen) können sich "Herausforderer" wie "Amazon Business" detailliertes Wissen über Großkunden aneignen und somit ihr Produktsortiment entsprechend ausrichten.

Vor Amazon hat sich damit ein neuer Milliardenmarkt aufgetan, den Analysten von RBC Capital auf bis zu 5 Billionen US-$ schätzen. "Amazon Business" hat daher das Potenzial, zum vierten großen Standbein neben Amazon Prime, Amazon.com (Consumer Commerce) und Amazon Web Services (AWS) im Amazon-Universum zu avancieren.

Mein FAZIT: Für den langfristig orientierten Investoren besitzt das Amazon-Papier durchaus noch einiges Potenzial, auch wenn es sich derzeit in einer "Konsolidierungsphase" - auf sehr hohem Niveau - befindet. Sobald diese abgeschlossen ist, dürfte die 1000 US-$-Marke für die Aktie keinen nennenswerten Widerstand mehr nach oben darstellen, denn bei Amazon "brummt" der Wachstumsmotor nachwievor hervorragend, und alles, was gut "geölt" ist, dass gerät auch nicht so leicht ins Stottern. Nicht zuletzt aus diesem Grund geniesst die Amazon-Aktie unter dem weltweiten Analystenheer einen ausgezeichneten Ruf.
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